UNIVERSITÄT von: dr. sc. Boris Dudaš Rijeka, Januar

UNIVERSITÄT RIJEKA

PHILOSOPHISCHE FAKULTÄT RIJEKA

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ABTEILUNG FÜR GERMANISTIK

 

 

 

Interpretation
zu Wolfgang Koeppens Roman „Tauben im
Gras”

Seminararbeit

 

 

 

 

 

 

 

Verfasst von: Marija Prendivoj                                      Betreut
von: dr. sc. Boris Dudaš

 

 

 

 

Rijeka, Januar 2018

Inhalt

1.    Einleitung…………………………………………………………………………3

2.    Handlung  und Charakterisierung der Figuren…………………………………………………………………………….4

3.    Erzählform……………………………………………………………………….7

4.    Schluss……………………………………………………………………………..8

5.    Literaturverzeichnis……………………………………………………………9

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1.   
Einleitung

In diesem Essay werde ich den Roman von Wolfgang Koeppen „Tauben im Gras” interpretieren. Der
Roman wurde 1951 veröffentlicht und bildet zusammen mit Roman „Das Treibhaus” (1953) und „Tod in Rom” (1954) eine „Trilogie des Scheiterns”. Ihr
Hauptthema ist die Restaurationsphase in der Bundesrepublik Deutschland nach
dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Restaurierung wird durch verschiedene
Personen, Situationen, Geschichten und Ereignisse gezeigt. Die „Trilogie des Scheiterns” ist eines der
wichtigsten Werke der deutschen Nachkriegsliteratur. Auch der Publizist und
Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat den Roman „Tauben im Gras” auf die gleiche literarische Ebene gestellt wie
Johann Wolfgang Goethes „Die Leiden des
jungen Werther”, Thomas Manns „Buddenbrooks”,
Franz Kafkas „Der Proceß” und Günter
Grass „Die Blechtromel”. Das Besondere
dieses Romans ist das Fehlen von Hauptcharakteren und Nebencharakteren, von
Leitfigur und Gegenspieler. Es gibt mehr als 30 Figuren, aber kein einziger
kann als „der Hauptcharakter” definiert werden, jeder von ihnen ist mehr oder
weniger gleich wichtig für die Geschichte. Es gibt mehr als einhundert
Ereignisse in die Geschichte. Die Erfahrungen und Schicksale dieser Charaktere
sind auf viele verschiedene Arten verbunden. Sie simbolisieren eine Gruppe von
Menschen, die sich zufällig treffen, kommunizieren und dann wieder gehen. Der
Titel der Geschichte symbolisiert genau das: Charaktere sind wie Tauben, die
nicht wissen, was sie tun oder wohin sie gehen. Tauben im Gras stellen in
diesem Roman Menschen dar, die in ihrem Leben verloren sind und nicht wissen,
was sie tun sollen. Auch die Handlung selbst stellt keine abgeschlossene
Geschichte dar. Schauplatz des Romans ist eine Stadt in der amerikanischen
Besatzungszone, wahrscheinlich München, obwohl der Name nicht erwähnt wird.  

 

 

 

 

 

 

 

2.Handlung  und Charakterisierung
der Figuren

Bereits zu Beginn der Geschichte Koeppen führt die
Situation in Deutschland ein und wir können sehen, dass das überhaupt nicht
angenehm ist: „Fliegen waren über der
Stadt, unheilkündende Vögel. Der Lärm der Motoren war Donner, war Hagel, war
Sturm. Sturm, Hagel und Donner, täglich und nächtlich, Anflug und Abflung,
Übungen des Todes, ein hohles Getöse, ein Beben, ein Erinnern in den Ruinen.
Noch waren die Bombenschächte der Flugzeuge leer. Die Auguren lächelten.
Niemand blickte zum Himmel auf.” (Koeppen; Seite: 7) Es ist klar, dass dies
eine Darstellung einer Stadt ist, die harte Folgen des Krieges erlitten hat. Weiter
im Text können wir sehen, dass der Krieg das Leben von allen trauriger und
elender gemacht hat: „Die Rüstung
verteuerte das Leben, die Rüstung schränkte die Freude ein.” (Koeppen;
Seite: 7) Ölkrise und Arbeitslosigkeit haben sich im ganzen Land ausgebreitet:
„Was schrieben die Zeitungen? KRIEG UM
ÖL, VERSCHÄRFUNG IM KONFLIKT, DER VOLKSWILLE, DAS ÖL DEN EINGEBORENEN, DIE
FLOTTE OHNE ÖL, ANSCHLAG AUF DIE PIPELINE, TRUPPEN SCHÜTZEN BOHRTÜRME, SCHAH
HEIRATET, INTRIGEN UM DEN PFAUENTHRON, DIE RUSSEN IM HINTERGRUND,
FLUGZEUGTRÄGER IM PERSISCHEN GOLF.” (Koeppen; Seite: 7)

            Die
Handlung beginnt mit einem Schauspieler Alexander.
Alexander war ein berühmter Schauspieler während des dritten Reiches.
Jetzt lebt er in altem Glanz und agiert als Erzherzog in einem Film „Die Liebe
des Erzherzogs”. Er hat mit seiner Rolle nichts gemein und ist eigentlich
wirklich traurig, leer und elend. Er kann sich im Schlaf nicht erholen und hat
einen schlechten körperlichen Zustand. Er sucht eine Erlösung durch Alkohol. Er hat eine Tochter Hillegonda mit seiner
Frau Messalina. Seine Frau Messalina
ist eine Person ohne Stabilität. Trotz ihrer Ehe fühlt sie sich allein und
leer. Sie sucht, wie Alexander, auch nach Erlösung durch Alkohol. Tatsächlich
drehen sich ihre Gedanken hauptsächlich um Sexualität und Alkohol. Sie hat ein
vulgäres Vokabular und wir sehen, dass sie ungebildet ist. Sie hat eine sehr
niedrige und voreingenommene Meinung über dunkle Menschen. Ihre größten Sorgen
sind die Organisation von Partys. Vor allem ist sie eine unverantwortliche
Mutter, die sich um ihre Tochter Hillegonda nicht kümmert und sie völlig
vernachlässigt. Zeichen von Alexander und Messalina sind Beweis in diesem
Roman, dass Sexualität Leuten nicht hilft, ihre Einsamkeit zu überwinden. Kindermädchen Emmi kümmert sich um ihre
Tochter. Sie denkt, dass Hillegonda ein Kind der Sünde ist. Deshalb hat das
Mädchen strenge Ausbildung. Hillegonda ist ein sehr verspieltes Kind,
aber Emmi verbietet ihr fast alles. Sie leidet unter religiösem Terror. Sie
muss zweimal täglich mit Emmi in die Kirche gehen. Sie hat Angst vor der Kirche
und vor Emmi. Emmi sagt, dass ihre Eltern in Sünde leben und dass sie für ihre
Sünden bezahlen muss. Sie sagt es ihr ?(…)klage nicht, frage nicht, freue
dich nicht, lache nicht, spiele nicht, tändele nicht, nütze die Zeit, denn wir
sind dem Tod verfallen.? (Koeppen;
Seite: 10)

Der Schriftsteller Philipp wird gebeten, die Handlung des Films zu
schreiben, aber er kann es nicht. Er ist ein erfolgloser Schriftsteller. Er schrieb ein Buch während des zweiten
Weltkriegs, aber es wurde verboten. Er hatte auch traumatische Erfahrungen
während des Krieges weil viele seiner Freunde starben. Er hat Probleme mit der
Kommunikation. Er leidet an Depressionen und Schlaflosigkeit. Er denkt viel
über seine sorglose und glückliche Kindheit nach: „Philipp kam mit der Zeit nicht zurecht.” (Koeppen; Seite: 15) Er
sucht nach Hilfe von dr. Behude, aber wenn er sieht, dass ihm nichts helfen
kann, geht er aus Gewohnheit weiter zu ihm. Er kann die Bedeutung seiner Arbeit
nicht sehen und hat keine Inspiration. Er lehnt das Drehbuchschreiben ab und
verdient durch Interviews Geld, aber wenn er einen Job bekommt, um den
Schriftsteller Edwin zu
interviewen, schafft er das nicht. Deswegen ist finanziell von seiner Frau
Emilia abhängig. Seine Frau Emilia ist
die Finanzierin für das neue Filmprojekt. Sie verkauft alle Arten von Möbeln
und Antiquitäten. Emilia lebt mit mehreren Tieren. Sie ist freundlich zu
ihnen, im Gegensatz zu Menschen. Sie stammt aus einer wohlhabenden Familie,
aber ihre Familie verlor während des zweiten Weltkriegs den größten Teil ihres
Vermögens. Sie besitzt einen unwürdigen Nachlass, den sie nicht verkaufen kann.
Da ihre Familie durch den Krieg um ihr Vermögen gekommen ist, verurteilt sie
den Nationalsozialismus. Sie denkt an ihre Kindheit und an die Zeit, als sie in
Wohlstand lebte. Ihre Ehe mit Philipp ist unglücklich. Sie erwartet finanzielle
Unterstützung und Sicherheit, die sie nicht erhält. Sie ist enttäuscht von
seinem Scheitern als Schriftsteller und glaubt, dass Philipp ihr die Welt der
Armut gebracht hat. Sie leidet sehr unter den finanziellen Verlusten, deshalb
wird sie abhängig von Alkohol. Sie ist Patientin des Psychiaters Dr. Behude.

Nicht weit von Philipp und Emilias Haus entfernt befindet sich ein Café
namens „Schön”. Der afroamerikanische Soldat Washington Price, seine schwangere
Freundin Carla Behrend und der Afroamerikanische Odysseus Cotton sind
Stammgäste des Cafés. Obwohl Carlas Mutter, Frau Behrend, ihre Beziehung zu
Washington Price aufgrund seiner Hautfarbe sehr missbilligt, sind sie weiterhin
zusammen. Carla ist ehemalige „Sekretärin
des Platzkommandanten” im „Wehrmachtsbüro” und Angestellte der amerikanischen Transporttruppe.
Sie heiratete 1939 im Alter von 18 Jahren, war zum Zeitpunkt der Trauung
bereits schwanger und verlor ihren Mann im Krieg. Carla hat bereits ein Kind aus ihrer ersten Ehe, einen Sohn namens Heinz.
Heinz hat eine ambivalente Beziehung zu Washington. Auf der einen Seite
bewundert er ihn wegen seiner sportlichen Talente, auf der anderen Seite mag er
ihn wegen seiner Hautfarbe nicht und nennt ihn „Neger”. Washington Price ist Afroamerikanischer Besatzungssoldat aus Baton
Rouge in Louisiana, der in der Stadt stationiert ist und für die „Red-Stars”
Baseball spielt. Er träumt von einem perfekten Leben mit Carla in Paris, wo
niemand Vorurteile gegenüber ihm und ihrem Kind haben würde. Als Carla beschloss, ihr Kind abzutreiben,
stoppte Washington es im letzten Moment.

Odysseus Cotton ist
Afroamerikaner aus Memphis, Tennessee, der die Stadt als Tourist besucht.
Zusammen mit seinem Portier Josef macht er sich auf den Weg in die Stadt. Josef ist ein alter Mann, der sein
ganzes Leben in dieser Stadt als Portier arbeitet. Er verlor seinen Sohn im
zweiten Weltkrieg. Er bietet Odysseus seine Dienste an und schubst ihm
verschiedene Orte und Bars. In einer Bar wird Odysseus von einer Prostituierten,
Susanne, ausgeraubt, aber er weiß nicht, wer ihn ausgeraubt hat. Er schlägt
Josef mit Stein und nimmt Geld, das er ihm früher gegeben hat. Er gründet
Susanne und verbringt die Nacht mit ihr. Josef stirbt an seinen Wunden,
Hillegonda und Emmi begleiten ihn.

Edwin, ein Mann, den Philipp interviewen sollte, ist ein berühmter
Schriftsteller, der in die Stadt kam, um einen Vortrag zu halten. Durch
technische Probleme mit Lautsprechern kann der Vortrag das Publikum jedoch
nicht begeistern. Als sie korrigiert waren, fuhr Edwin mit seinem Vortrag fort,
aber das Publikum war nicht so fasziniert wie zuvor. Letztendlich endet alles
im Café “Schön”. Wegen Mißverständnissen, die Frau Behrend gemacht
hat, haben die Leute gesagt, Washington sei ein Mörder, also warfen sie Steine
auf ihn. Edwin wurde auch von einer Gruppe von Roughs brutal geschlagen.

 

 

 

 

 

 

 

3.Erzählform

            Die
Tatsachen, die den Roman abgeschlossen, bestätigen und verstärken die Ängste
und Probleme vom Anfang des Romans, der eine Form der Zirkelstruktur schafft. Die
Struktur des Romans wird durch die parataktische Organisation von Sätzen und
die Gegenüberstellung von Information bestimmt, die die Dialektik von Einheit
und Vielfalt schafft, die in diesem Beispiel sichtbar ist: „Frau de Voss zeigte Edwin eine
Rosenholzmadonna. Die Madonna hatte Philipp gehört. Emilia hatte sie Frau de
Voss verkauft. Edwin betrachtete die Madonna durch die Lupe. Er fragte nach dem
Preis der kleinen Madonna. Frau de Voss flüsterte den Preis. Emilia sollte den
Preis nicht hören.” (Koeppen; Seite: 148) Auch verwendet Koeppen sehr oft
die Gegenüberstellung von prägnanten vollständigen und unvollständigen Aussagen
und Fragesätzen, um einen Bewusstseinsstrom zu reproduzieren: „Keine Verklärung, keine Aufklärung, kein
Licht der Wahrheit. Wo lag Philipp? Im verdunkelten Zimmer. Er läßt mich
träumen, kleiner Traumdoktor kleiner Psychotherapeut, sitzt nebenan und füllt
meine Karteikarte aus, meine Traumkarte, kleiner Psychobürokrat, trägt ein:
Philipp träumt, träumt von Wiesen, Urlaub und Sommerglück, laß doch die Wiesen,
ich bin Frau Holle eingeladen (…)”. (Koeppen; Seite: 150) Koeppen
verwendet auch die Montagetechnik mit kursiv hervorgehobenen Zitaten, um die
zeitgenössische und mediale Realität zur Zeit des Romanhandlung und seine
Wahrnehmung durch die Romanfiguren hervorzuheben. Mit seinem Gebrauch von
Montagetechnik und Bewußtseinsstrom hat er die deutsche Nachkriegsliteratur auf
internationale literarische Maßstäbe gehoben.   

 

 

 

 

 

 

 

 

4.Schluss

            In
diesem Roman betont der Autor Wolfgang Koeppen moralische, soziale, politische
und rassistische Zustände im Nachkriegsdeutschland, was sich in fehlenden
positiven Akzenten zeigt. Der Mangel an positiven Eigenschaften zeigt auch die
Hoffnungslosigkeit, die unter den Menschen verbreitet wurde. Merkmale der
Menschen im Roman beschrieben können auf der Grundlage ihrer Nationalität
(Amerikaner und Deutsche), Hautfarbe (schwarz und weiß), etc. zusammengefasst
werden. Sie alle haben etwas gemeinsam: Ihr Leben wurde durch den Krieg
zerstört und zerrissen. Sie fühlen sich einsam und werden von Angst beherrscht.
Sie haben Angst um ihr Leben, aber sie versuchen es zu vernachlässigen. Jeder
von ihnen hat seine eigenen Probleme, die unlösbar scheinen. Alle diese Gefühle
wurden ihnen durch den Krieg und die Zerstörung vermittelt. So erscheint der
ganze Roman dunkel und brutal für den Leser, aber das war für den Schriftsteller
notwendig, damit er die Situation der Bundesrepublik Deutschland in 1951 kritisieren
kann.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5.Literaturverzeichnis

o   Koeppen, Wolfgang. „Tauben im
Gras”. Frankfurt am Mein und Hamburg. Fischer Bücherei GmbH, Dezember 1966.

o   Pütz, Wolfgang. „Wolfgang
Koeppen: Tauben im Gras”. Stuttgart. Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG,
2012.